Frieder

Frieder kam als Welpe ins Hundelager, da war er knapp zwei Monate alt, ein weißes Fellknäuel mit tapsigen Schritten und diesem typischen Welpenblick, der eigentlich nur eins sagen will: „Hallo Welt, hier bin ich!“ Dann fiel eine Tür ins Schloss. Und sie ist bis heute nicht wieder aufgegangen. Frieder sitzt seit acht Jahren in diesem System der Verwahrung. Das ist keine „Wartezeit“. Das ist ein ganzes Leben, das nicht stattfinden durfte.
Frieder ist heute nicht einfach nur „schüchtern“. Er wurde leise gemacht. Wer acht Jahre lang lernt, dass Bellen nichts ändert, dass Freude keinen Platz hat und dass Auffallen gefährlich sein kann, der verstummt irgendwann. Seine Angst ist kein Charakterfehler, sondern das logische Ergebnis von Jahren ohne Sicherheit. Er zieht sich zurück, macht sich unsichtbar, weil das die einzige Strategie ist, die ihn bisher überleben ließ.
Das Grausamste an seiner Geschichte lässt sich in drei Worten zusammenfassen: Kein erstes Mal. In acht Jahren gab es für Frieder kein erstes Mal Gras unter den Pfoten. Kein erstes Mal Wind um die Nase, der nach Freiheit riecht. Kein erstes Mal ein weiches Körbchen. Kein erstes Mal die Hand eines Menschen, die nicht nur füttert oder schiebt, sondern tröstet. Kein erstes Mal Sicherheit.
Nach acht Jahren fehlen Frieder nicht nur „Kleinigkeiten“. Ihm fehlt die ganze Welt. Ihm fehlt das Urvertrauen, dass das Leben gut sein kann.
Die Tierschützer beschreiben ihn als sehr ängstlich, aber – und das ist das kleine Wunder in all dem Grau – ohne jede Aggression. Frieder schnappt nicht, er droht nicht. Er versucht nur, nicht da zu sein. Er hat sich fast aufgelöst in der Hoffnungslosigkeit.
Wir suchen Menschen, die dieses Schweigen brechen. Menschen, die nicht erwarten, dass Frieder sofort „funktioniert“. Er braucht ein Zuhause, in dem er zum ersten Mal erleben darf, dass er existieren darf. Ein sicheres, ländliches Umfeld, ein gut eingezäunter Garten und Menschen, die wissen: Vertrauen ist bei Frieder kein Schalter, den man umlegt. Es ist ein Pflänzchen, das nach acht Jahren Beton erst einmal Wurzeln schlagen muss. Frieder braucht kein Mitleid, das beim nächsten Klick verfliegt. Er braucht eine Entscheidung gegen dieses Wegsperren.
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(kastriert)
