weitere Möglichkeiten, die Hilfe für HSH e.V. zu fördern

Tallulah (HSH-Hilfe e.V.)

Nicht nur unser Lumi hatte das große Glück, zu Dagmar ziehen zu dürfen: HSH-Mix  Tallulah durfte Charlotte beerben, die Lumis Freundin gewesen war. Und nun bereichern zwei unserer Schützlinge Dagmars Leben 😉

Ihre Beschreibung zeigt zudem auf, wie wichtig es ist, Geduld zu haben und nicht sofort bei den ersten Problemen die Flinte ins Korn zu werfen.

Hier Dagmars liebevolle Beschreibung zu Tallulah

***************

TALLULAH

Im Januar 2012 begann meine Hündin Charlotte zu lahmen. Keine Schonung, kein Schmerzmittel half. Die Röntgenaufnahme zeigte dann ein großflächiges Knochenkarzinom, das CT brachte Gewissheit. Das linke Hinterbein war komplett befallen. Sie hatte keine Chance, sie wurde nur Tage später erlöst.  Unfassbar, diese sanftmütige Hündin mit dem großen Herzen zu verlieren.  Sie war erst 7 Jahre alt.

Lumi und ich rückten noch näher zusammen. Sein fröhliches Wesen und seine Zuneigung gaben mir so viel.

Ende April fuhren wir wieder zu Mirjam. Zwei Hände brauchen eben 2 Hunde. Es sollte eine Hündin werden, die zu Lumi passte, vielleicht etwas jünger. Als Thomas uns Tallulah brachte, humpelte sie direkt in mein Herz. Sie war ca. 4 Jahre alt, kam aus der Türkei, war bei Hochwasser verschüttet gewesen und hatte am linken Vorderbein eine großflächige Narbe. Und so ein liebes und schüchternes Mädchen!

Zaghaft tastete sie sich an mich heran. Sie war nicht ängstlich, aber sie traute sich nichts zu. Lange lebte sie wie in ihrer eigenen Welt, nur ganz langsam taute sie auf. Sie genoss die abendlichen Massagen sichtlich, wagte aber nicht, das zu zeigen. Es war, als hielte sie den Atem an. Sie ist so eine, mit der man nur ganz leise spricht. Jeder Schritt auf mich zu wurde von mir belohnt, und allmählich nahm sie Kontakt auf. Nach und nach wurde sie mutiger, weckte mich morgens durch Decke wegziehen. Dann versuchte sie herauszufinden, was sie in diesem Haushalt so darf und was nicht. Kopfkissen „töten“ fand sie toll. Beim 1. Mal nahm ich ihr das Kissen, ohne sie anzusehen, schweigend weg. Beim 2. Mal sagte ich energisch „Nein“. Sie legte sich vor mich hin, mit weit geöffnetem Maul und geschlossenen Augen! Sie hat tatsächlich gedacht, ich schlage Sie!! Ich war erschüttert. Was muss sie erlebt haben…

Unsere Spaziergänge waren anfangs nur kurz, sie war schnell erschöpft und lahmte. Ihre Narbe wurde von der Physiotherapeutin mit Laser behandelt, weitere Röntgenbilder gemacht. Dabei stellte sich heraus, dass das rechte Sprunggelenk wohl mal gebrochen und dann schief angewachsen war. Ihre Wirbelsäule war voller Spondylosen. Bis heute bekommt sie wöchentlich Physiotherapie und jeden Abend eine Massage.  Einmal in der Woche besuchen wir einen Parcours  für Hunde mit Behinderungen, geleitet von einer Physiotherapeutin. Tallulah  ist total begeistert und arbeitet konzentriert mit. Sie begann Muskeln zu entwickeln, und heute kann sie eine Stunde ohne Beschwerden spazieren gehen. Das allein reicht allerdings nicht, um sie auszulasten. Heute machen wir Fährtenarbeit, die sie fordert, aber körperlich nicht überanstrengt. Das ist total ihr Ding. Sie ist eine selbstbewusste, fröhliche Hündin geworden, die draußen auf mich achtet  und gern und schnell lernt.  Sie liest in meiner Mimik wie in einem Buch und Schmusen ist ihr Größtes. Doch  das Wichtigste: Ich habe ihr volles Vertrauen.

 

Die Zusammenführung von Lumi und Tallulah

Es hat fast 1 ½ Jahre gedauert, bis die beiden Hunde das Team wurden, das sie heute sind. Die Tage nach der Ankunft von Tallulah waren ruhig, sie haben sogar im Garten miteinander gespielt. Ich war sehr zuversichtlich, dass die Beiden Freunde werden. Dann fand Lumi, die Besuchszeit wäre vorüber, und Tallulah fand, er wäre einer zuviel. Lumi hat sie angegiftet, wenn sie nur an seinem Hundebett vorbei ging , und  Tallulah hat auf sehr subtile Art versucht, ihn von dort zu vertreiben. Auch legte sie sich provozierend auf sein Bett im Schlafzimmer, das sie seiner Meinung nach gar nicht betreten durfte. Denn das war schließlich sein und mein Schlafzimmer! Schnuppern an derselben Stelle? Sie gingen aufeinander los. Ich ließ versehentlich ein Leckerchen fallen, die Beisserei war da. Mir blieb nur, Ruhe zu bewahren, nichts zu sagen und zu splitten. Irgendwann im Winter dann, hörte ich unten an der Haustür ein komisches Geräusch, ich hatte die Beiden nur Minuten allein gelassen. Ich sah dann nur die Hinterbeine von Lumi in der Luft, sie lag auf ihm und hatte ihn an der Kehle. Totenstille. Wenn ich nur ein Wort gesagt hätte oder gar eingegriffen, nicht auszudenken! Ich holte den Wassereimer und schüttete ihn auf sie. Tallulah floh nach draussen, Tür zu. Lumi hatte eine Speckschwarte im Maul! Irgendein Nachbar hatte sie über den Zaun geworfen…

 

Ostern kam die Wende. Bei einem Spaziergang zusammen mit dem Rüden Gizmo meines Sohnes vertrieben die beiden gemeinsam einen sehr aufdringlichen unkastrierten Boxer von Tallulah. Sie hatte ganz genau hin gesehen, und stolz mit  ihren beiden Bodygards  ging sie weiter.  Das Verhältnis zwischen Lumi und Tallulah besserte sich danach, obwohl Futterneid und Eifersucht noch manchmal durch kam. Es gab allerdings keine kritische Situation mehr!!!!  Endlich.  Die Generalprobe aber ist erst ein paar Wochen her. Ich holte das Frostfleisch für die Hunde aus dem Tiefkühlschrank. Beide Hunde standen neben mir. Der Beutel platzte unten auf, und das ganze Fleisch fiel herunter. Ich fiel in „Schockstarre“, doch die beiden Herzchen fraßen zusammen das Fleisch auf. Schnauze an Schnauze, ohne jede Aggression. Ich habe es geschafft!

 

Video: Tallulah beim Schmusen

1 Tallulah (HSH-Hilfe e.V.) Name: Tallulah
Rasse: türkischer HSH-Mix
Alter: geb. ca. 2008
Geschlecht: weiblich, kastriert
Besonderheiten: sehr verschmust und aufgeschlossen gegenüber auch fremden Menschen und auch Kindern

_____________________________________________________________________________________

 

Vermittlungstext

Tallulah ist lebensfroh und überaus verschmust. Am liebsten würde sie sofort in ihre Menschen hineinkriechen. Sogar der Tierarzt, der ihr Bein untersuchte, war sehr von ihrem liebenswertes Wesen eingegenommen, so kooperativ zeigte sie sich.

Ihr linkes Karpalgelenk ist kaputt, auch operativ lässt sich leider keine Linderung schaffen, so dass Tallulah dauerhaft auf  Schmerzmittel angewiesen sein wird. Eine sehr große Wunde über ihrem Gelenk, die jedoch inzwischen verheilt ist, gibt über die Vernarbung eine gewisse Versteifung, die in diesem Fall sogar hilfreich ist. Die eingeschränkte Beweglichkeit ihres Gelenkes hindert Tallulah jedoch nicht daran, begeistert mit ihren Menschen und ihren Hundekumpels zu spielen oder Spazierenzugehen. Allein längere Wanderungen sollte man ihr nicht zumuten, sondern die Spaziergänge geruhsamer angehen.

Mit anderen Hunden kommt Tallulah klar, wenn sie auch im Erstkontakt etwas steif  ist. Tritt der andere Hund nicht provozierend auf, dann steht einer Freundschaft nichts im Wege. Wichtig ist jedoch immer bei ihr, sie neue Freunde auf neutralem Boden kennen lernen zu lassen und nicht auf ihrem heimischen. Da ist sie ausgesprochen pingelig und territorial.

Bis auf die Verteidigung ihres Geländes vor unbekannnten Hunden zeigt sie bei uns keinerlei nennenswerte HSH-Ambitionen.

Wir wünschen uns für diese Zaubermaus endlich IHR Zuhause. Sie hat so ein fantastisches, liebenswertes Wesen mit Menschen, dass ihre Familie doch „da draußen“ regelrecht auf sie gewartet haben muss!

 

Der Umzug in Ihr neues Zuhause
war am 26. April 2012. Tallulah lebt nun mit unserem ehemaligen Schützling Lumi zusammen. Zwei so unglaubliche Schätze…

Kommentare sind zur Zeit geschlossen.

Hilfe fuer Herdenschutzhunde e.V.
Anpassung und Design: Ulinx IT-Systeme