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Louis (HSH-Hilfe e.V.)

happy end

NIE wieder kommt ein Hund in’s Haus!

Jedes Mal, wenn einer meiner Hunde gestorben war, dachte ich, daß ich das niemals wieder erleben will. Auch nach dem Krebs-Tod unserer zweijährigen Hündin Elli war das mein erster Gedanke. Doch schon bald regte sich – wie jedes Mal – mein Gewissen, ich stellte mir vor, daß irgendwo ein Hund im Tierheim sitzt, der Elli’s Platz einnehmen könnte. Der vielleicht ewig dort sitzen muss, wenn wir ihm keine Chance geben…?

Und während ich so überlegte, kam eine Nachricht bei mir an. Mit dem Foto eines entzückenden, knubbeligen Kerlchens, welches überwiegend aus Ohren bestand – und dabei aussah, wie Elli’s kleiner Bruder: Louis von der HSH-Hilfe.

Für das darauffolgende Wochenende suchten wir uns eine Unterkunft in der Pfalz und reisten an, um den kleinen Mann kennenzulernen. Bei unserer ersten Begegnung stand ein ziemlich dürres Männeken mit etwas schütterem Fell vor uns – dem aber die Sonne aus seinen riesigen Ohren schien. Genau zwischen denselben, mitten auf dem Kopf, hatte er eine kreisrunde kahle Stelle, die wir sofort als idealen Küssle-Landeplatz erkannten. Und während er um uns herumhopste (schon damals ganz klar erkennbar den Schalk im Nacken…), blieb gelegentlich seine Oberlippe an einem unteren Reißzahn hängen, welcher dann verwegen hervorlugte, und was ihm kurz darauf den Beinahmen „Graf Zahn“ einbrachte.

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Wir waren sofort total verliebt!

 

Zu diesem Zeitpunkt war Louis‘ Bäuchlein offenbar noch gefüllt mit allem möglichen Unrat, den er sich in seinem vorherigen Leben aus lauter Hunger einverleibt hatte. Bis er all diesen Unrat endgültig losgeworden und er ein wenig aufgepäppelt war, mußten wir uns noch gedulden. Dann durfte Louis im Juni 2011 zu uns in den tiefen Süden umziehen.

Nachdem er all seine Altlasten losgeworden war, und ihn nichts mehr im Bäuchlein drückte, kam jedoch erst sein Temperament vollständig zum Vorschein. Er kam mir vor, wie das berühmte „Duracell-Häschen“. Unermüdlich! Manchmal dachte ich: wo kann ich bloß die Batterien entnehmen? 😉

Das hatte auch zur Folge, daß wir knapp drei Monate brauchten, um ihm erfolgreich klarzumachen, daß UNSERE Katzen NICHT gejagt werden dürfen. Was schließlich auch hervorragend funktionierte. Bis heute unterscheidet er jedoch peinlich genau zwischen Eigen- und Fremdkatzen…

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Das Abfressen von Kissen- und Bettwäschezipfeln, das Einverleiben von Müll, sowie herumliegenden Textilien und Papiertaschentüchern war anfangs Louis‘ ganz großes Problem. Wenn man ihn nicht permanent im Auge hatte und im Ernstfall entweder sehr laut oder sehr schnell war, konnte es immer gut sein, daß der sich irgendwas gemopst hatte, was er gar nicht sollte. Ein angebissenes Döner-Brötchen am Straßenrand oder ein Marderhäufchen mit Kirschkernen garniert waren da noch die harmlosesten Errungenschaften…

Zum Glück scheint er inzwischen – bis auf ganz kleine „Rückfälle“… – verstanden zu haben, daß es gar nicht notwendig ist, Dreck zu fressen, wenn doch ein einziger treuer Hundeblick genügt, um Frauchen jedes Leckerchen der Welt aus der Hosentasche zu betteln.

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Louis ist der beste Hund der Welt! Daran gibt es keinen Zweifel. Außerdem haben wir mit ihm ein echtes Schnäppchen gemacht. Für diesen unglaublichen Preis! Er ist nämlich „zwei Hunde in Einem“: Er ist der kleine, kulleräugige Schokoladenjunge, der vor Wonne ganz starr wird, wenn man ihm sein nacktes Bäuchlein krault – und er ist das Schlitzohr, das nur Unfug im Kopf hat.

Ein gutes Beispiel für letzteres ist die Weihnachtsgeschichte. UNSERE Weihnachtsgeschichte, von unserem ersten gemeinsamen Weihnachtsfest 2011:

Und es begab sich also zu der Zeit, daß alle Welt nach Hause reiste, um am heiligen Abend vor’m Kamin zu sitzen, sich von Mutti bekochen und von allen Anwesenden reich beschenken zu lassen.

Meine im Vorfeld bereits mehrfach aus Sicherheitsgründen gestellte Frage: „Wollt ihr dies‘ Jahr wirklich riskieren, die Weihnachtskrippe auf dem Boden unter dem Christbaum aufzubauen? Wegen dem Louis, meine ich…“ wurde stets mit einem „Ach, jaja, da passiert doch nix!“ abgetan, weshalb ich in weiser Voraussicht seinen Kauknochen mit einpackte, den ich dem Stinkhund in’s Mäulchen drückte, als es schließlich an’s Festmahl ging. Besinnliche Orchesterklänge, üppige Speisen und zarte Wohlgerüche erfreuten unsere Sinne, während der Hund unter dem Tisch begeistert seinen Knochen bearbeitete.

Ich möchte an dieser Stelle zu meiner Entlastung betonen, daß ich bereits zwei- oder dreimal angemerkt hatte, daß Louis‘ Kaugeräusch irgendwann so anders klang… „Der kaut doch auf seinem Knochen!“ war jedes Mal die Antwort. Bis ich schließlich das Besteck weglegte, den Kopf unter den Tisch steckte, um festzustellen, daß der Kauknochen einen Meter vom Hund entfernt auf dem Teppich lag – Louis aber trotzdem fleissig kaute…

Meine schlimmsten Befürchtungen wurden wahr – als ich einen ensetzten Schrei ausgestoßen, Louis das Corpus Delicti entrissen und auf die Festtafel geschleudert hatte. Es handelte sich um die spärlichen Überreste eines der heiligen drei Könige – handgeschnitzt…Welchen der Herren es getroffen hatte, war anhand seines auf das übelste zugerichteten, verstümmelten Torso nicht mehr rekonstruierbar. Letztendlich ließen nur die beiden Überlebenden noch gewisse Schlüsse zu…  Ab sofort wird unsere Familienkrippe also nur noch mit zwei Weisen aus dem Morgenland weiter vererbt werden. Macht ja auch nix. Heutzutage würde sowieso kein Mensch mehr glauben, daß es mal drei Weise auf einem Haufen gegeben haben könnte…

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Solche Aktionen hat er pausenlos im Repertoire. Man langweilt sich nie mit ihm…

Natürlich kann er auch ganz tolle und sehr nützliche Sachen: z. B. seine Schleppleine selbst einsammeln und dabei kunstvoll verknoten. Rechnen kann er auch. Er weiß nämlich ganz genau, wenn ich fünf Leckerchen in meine Hosentasche gesteckt, ihm aber erst drei gegeben habe, daß garantiert noch zwei übrig sein müssen. Außerdem kann er ganz tief und schauerlich kläffen, wie ein heiserer Rottweiler – und sich dann fürchterlich erschrecken, wenn aus dem Tal sein eigenes Echo zurückbellt… Und er kann den Kaustangel-Tanz vollführen: Wenn er ein besonders lieber Junge war und zur Belohnung ein Kaustängchen absahnt, flitzt er damit auf’s Bett, hopst wie ein Brummkreisel herum, immer um die eigene Achse, wirft zwischendurch das Stängchen in die Luft, guckt dann völlig verdutzt dorthin, wo es gelandet ist, beißt wieder hinein, als hätte er es jetzt gerade erst zufällig gefunden – und dann geht der Tanz von vorne los. Je nach Tagesform kann das bis zu fünf Minuten dauern, ehe er sich hinlegt und anfängt das Kaustängchen zu bearbeiten.

Desweiteren zeichnet sich der Graf Zahn durch Tapferkeit und Mut aus. Jederzeit würde er es mit einer ganzen Herde Kühe, Lamas oder einer kompletten Reiterstaffel aufnehmen – aber wehe, der Staubsauger biegt um die Ecke… Dann sucht er Schutz bei seiner treuen Freundin Wilma, die in derart gefährlichen Situationen stets einen kühlen Kopf bewahrt.

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Seit dem Sommer 2011 erkundet nun der Herr Graf mit seinem Gefolge die Schönheiten des Südschwarzwaldes…

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…bis vor die Tore des Himmelreichs haben ihn seine Unternehmungen geführt.

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Sogar Freunde hat er gefunden, die er zuvor natürlich auf das Sorgfältigste auserwählt hat, wie es eines Grafen würdig ist.

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Wir lieben ihn wirklich sehr, unseren Louis, unseren Graf Zahn, unseren Futzemann. Er ist ein echter Charakterhund. Sein Küssle-Landeplatz ist zwar längst wieder zugewachsen, aber dafür hat er sich im letzten eisigen Winter bei einer seiner Extrem-Schnüffel-Aktionen am knochenhart gefrorenen Boden die ganze Schnute wundgeschrubbert, die seitdem nie wieder richtig schwarz geworden ist. Jetzt hat er ein zartrosa Kussmündchen, das von weitem manchmal wie ein flaumiges, ungleichmäßiges Pubertätsschnurrbärtchen aussieht. Und das passt so richtig zu dem kleinen Halbstarken…

 

1000 Dank der HSH-Hilfe für diesen außergewöhnlichen „Herdenschutzhund“… 😉

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„Ich bin ein bunter Hund, ich bin ein bunter Hund.
Du siehst, in meinem Stammbaum geht es rund,
Ich bin ein bunter Hund.
Aber solltest du dich trotzdem für mich entscheiden,
Dann laß ich mich für dich in Streifen schneiden,
Bewach’ ich deinen Schlaf, dann zieh ich deinen Schlitten,
Dann führ ich dich im Dunkeln, dann schließ ich dich mitten
In mein Herz. Ich bin als Rüpel verschrien im ganzen Land,
Aber dir, dir, dir, dir fress’ ich aus der Hand!
Außen bin ich abgewetzt, aber innen wie neu,
Ich bin ein bunter Hund, … aber dir bin ich treu!“

(Reinhard Mey)

 

Vermittlungstext

Louis kam fast verhungert in die Obhut der HSH-Hilfe e.V. Da er ganz offensichtlich in seiner Hungersnot sich angewohnt hatte, allerlei Unrat zu fressen (frei nach dem Motto „von irgendwas muß ja der Magen voll werden“) mußte zunächst extrem darauf geachtet werden, keine Stofftiere oder leichtere Stoffe bei ihm zu lassen. So überraschte er uns immer wieder mit diversen unverdaulichen Inhalten seines Magens, die er vor seiner Zeit bei uns aufgenommen haben mußte: Tücher, Schlüsselanhänger, Undefinierbares. Wir waren immer am schwanken zwischen „schneiden wir den Knaben auf, oder ist der Magen jetzt von Unrat befreit“?.

 

Da Louis beständig eine gute Verdauung hatte und bestens fraß, kamen wir um die OP herum und ganz offensichlich hat sich jetzt Louis von all den Sachen aus seinem alten Leben getrennt. Ein Leben, an das man auch wirklich besser keine Erinnerungen aufbewahren sollte…

 

Louis sah nicht nur äußerst ausgemergelt aus, sondern war natürlich auch von seinem Fell nicht sonderlich ansehnlich: struppiges, schütteres Fell mit etlichen kahlen und verkrusteten Stellen, so auch eine auf seinem Kopf, direkt zwischen seinen Ohren. Was sein neues Frauchen beim ersten Treffen zu dem genialen Ausruf hinreißen ließ „ein Küßle-Landeplatz“. Dieser war aufgrund unserer guten Pflege bis zu seiner Adoption (leider) wieder zugewachsen. „Küßle“ bekommt er trotzdem 🙂

Louis kommt mit Rüden und Hündinnen zurecht, ist vereinzelt bei fremden Menschen noch unsicher. Bei seinen Menschen ist er überaus verschmust, ein extremer Charmbolzen und schafft es tatsächlich, dass man ihm jeglichen Blödsinn mit einem Grinsen verzeiht.

Wie ein Duracell-Häschen ist er tagsüber sehr aktiv, wie von einer steten  Sorge getrieben, irgend etwas in diesem neuen Leben verpassen zu können.

 

Der Umzug in sein neues Leben

war im Juni 2011. Uns war vom ersten Kontakt mit seiner neuen Menschen klar, dass sich ganz offensichtlich hier „Topf & Deckel“ gefunden haben und haben ihnen von Herzen gerne Louis übergeben. Ihnen wird nun mit ihm nie langweilig 🙂

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